Pimp my Spot!

Mylady,

Gewissen und Umstände erlauben es Ihnen derzeit nicht mich zu sehen, weder innerhalb noch außerhalb Ihrer Burgmauern. Aber so antworten Sie mir doch in Gottes Namen! Schreiben Sie mir, was hindert Sie? Ihre Worte sind Quell und nähren mich Durstenden.

Nein, ich will Sie nicht drängen. Auch für uns gelten die inneren und äußeren Spielregeln der Menschen; in diesem Rahmen ist alles mehrfach versucht. Es bleibt nur das demütige Gebet, und natürlich werde ich Ihnen auch ohne ein Zeichen aus Ihrer Hand weiterhin schreiben. Dies bis zu meinem letzten Atemzug, den ich im Kampfe zu tun gedenke.

Meine schöne A., wundern Sie sich bitte nicht über den antiquierten Pathos. Mir ist häufig nach Rittertum und dergleichen zumute. Die Würde im Umgang mit den Herzdamen scheint heutzutage weniger ausgeprägt als damals, auch kann ich das Verlangen zu kämpfen bisweilen kaum im Zaume halten. Aktuell wird dieses romantisierende Grundgefühl, das deep inside nach Ihrer ungezügelten Weiblichkeit verlangt, durch den Konsum von „Game of Thrones“ noch zusätzlich angeregt. Nach „Babylon“ war ich völlig „Sherlock“ed, nun die erste Staffel der Königsspiele. Sie müssen wissen – Oder wissen Sie bereits? -, dass ich immer viele Jahre hinter den aktuellen Trends hinterher hinke. Belächeln Sie dies ruhig, aber alles hat bei mir seine Zeit. Diese Serie ist ganz nach meinem Gusto: archaische Urgewalten und richtige Kerle mit Bärten, die noch ehrlich Mann gegen Mann kämpfen und nur die Worte verlieren, die wirklich gesagt werden müssen. Es wird ungeniert gevögelt und gestorben, ohne großes Aufhebens darum zu machen.

Die einzige Prinzessin mit Bart würde in ihrer Amazonenrüstung gut in eine solche Welt passen. Eine Welt, in der man nicht über im Nadelstreifenanzug abstrakt verdientes Geld sublimieren und seine aggressiv-gehemmten Triebe über Ersatzhandlungen wie das Klettern kompensieren muss.

Sparen Sie sich Ihre Empörung über so viel chauvinistische Naivität! Dass ich beizeiten dumm und lebensuntauglich bin, weiß ich selbst. Hinter allem steckt ein latenter Todeswunsch, geboren aus Zivilisationsüberdrüssigkeit. Mit dieser
Mentalität sind gebildete junge Menschen in den 1. Weltkrieg gezogen, um sich, kaum aus dem Schützengraben auf das Schlachtfeld erhoben, eine Kugel (oder auch drei oder vier) in die Gedärme und zwischen die hübschen Äuglein jagen zu lassen. Ich weiß das wohl.

Lagern wir also unsere Grundnatur weiter aus, denn echtes Blut und aus wahrem Schmerz geborene Tränen machen hässliche Flecken auf der Seele, und schauen stattdessen Serien. Hier zur Erinnerung und um Sie in die richtige Stimmung zu versetzen, das Titelmotiv von „Game of Thrones“:

I definetely fall in love with Golzernmühle, my lovely lady A.! Sie ist eine fantastische Liebhaberin, denn sie trug bis vor Kurzem ein wunderschönes Herbstkleid, ist immer für mich da, wenn ich Zeit habe und intensive Erlebnisse benötige, und – das Beste – sie widerspricht nicht, wenn ich Hand anlege. (Betrachten Sie Letzteres bitte mit einem Augenzwinkern. Meine Sprachverliebtheit treibt bisweilen Blüten.)
Diesen Spot in der Nähe von Grimma pimpe ich derzeit mit exzessiver Inbrunst. Warum der ganze Aufwand, würden Sie mich definitiv nicht fragen, liebste A., wenn wir uns gegenüber säßen. Sie wüssten es ja bereits, denn Sie kennen meine Seele nur zu gut und wünschten sich bisweilen sogar, dass dem nicht so sei. Doch das Rad der Zeit lässt sich nicht zurück drehen, und ich möchte denen antworten, die auf dem Weg zur Erleuchtung Ihres bärtigen Mitmenschen noch nicht so weit voran geschritten sind. Also, ich bemühe mich so sehr um diese Felsen an der Mulde, weil sie eine in Mitteldeutschland einzigartige Vielzahl an überhängenden Routen und Bouldern aufweisen und ich, wie immer, dringend Ablenkung von existentiellen Fragen benötige. Die Vision, dort Hand an zu legen, trug ich schon viele Jahre mit mir herum. Doch verschiedene lästige und weniger lästige Dinge hielten mich davon ab. Ich danke der Gruppe um „Altmeister“ Gerald, die mir zuvor kam und während der letzten zwei Winter mit wahnsinnigem Arbeitsaufwand den ursprünglichen “Bruchhaufen” so weit formten, dass nunmehr geilste Routen und Boulder herauszuholen sind und Menschen wie ich Inspiration zum weiteren Erschließen gefunden haben. Hier und weiter unten können Sie sich mittels bewegter Bilder von der „Geilheit“ des Spots überzeugen.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Nur so kann ich in ihr leben, Mylady. Fantasie und Wirklichkeit vermischen sich, Grenzen verschwimmen, was ist Spott, was Ernst, was können Sie mir überhaupt noch glauben? Alles und nichts, meine Liebe, antworte ich, und schon bekommt die sonst so zärtlich eingefärbte Anrede einen bitteren Beigeschmack. Schnell gestellte Gegenfragen und Albernheiten erlauben mir den Rückzug auf verschlüsseltes Terrain; schlaue Mitmenschen wittern die Camouflage und exhibitionistische Selbstoffenbarung bereits. Doch ich sage Ihnen, es ist kein Spiel, war es nie. Dieses Sein ist der einzige Weg, der mir zu beschreiten vergönnt ist. Sonst würden meine Schreie in der Stille verhallen, und der Wahnsinn hielte endgültig Einzug, denn ich opfere, wie Sie wissen, einen Teil meiner Selbst, um die Seele vieler lieber Menschen zu retten.

In meinem „Draußenwahn“ habe ich an der Golzernmühle gemäß des genannten Credos gewisse Umgestaltungen vorgenommen, zuletzt im Sektor „Recycling“, der fürderhin „Ideenfabrik“ genannt werden soll. „Recycling“ erschien mir nach den zahlreichen Aufräumaktionen durch Aktive der IG Klettern Halle nicht mehr zutreffend. Die alte illegale Müllkippe ist nämlich neu angelegten Terrassen, Sitzgelegenheiten und Wegen gewichen.

Genannter Sektor verfügt nach meinem Tuning nun über unzählige neue Boulder, vornehmlich im siebenten Grad. Ich habe die hohen Linien mit Schlingen versehen (man erkennt sie auf dem Topo), um die Ausstiege sicherer zu gestalten. Vorschläge zu Gradänderungen werden über die Kommentarfunktion unterhalb dieses Briefes gern entgegen genommen. Sie wissen doch, liebe bouldernde Jungfrauen und Waschweiber, meine Schwierigkeitsskala reicht nur von 6C bis 7B+. Es ist mir nicht vergönnt, die Grade darüber und darunter adäquat zu beurteilen, zumal das Grading von Bouldern immer hoher Individualität unterworfen ist. Das von mir gemalte Topo ist gewohnt einfach gehalten. Unterstehen Sie sich, mir diesbezüglich eine Behinderung anzudichten und konzentrieren Sie sich lieber auf die Vorher-Nachher-Details.

SEKTOR IDEENFABRIK (ehemals Recycling)

01 Gegenstromprinzip 5C+ – Ganz links. Sitzstart an Henkel und Fingerloch. Ohne den Absatz, Füße nur in der überhängenden Wand. An der Kante hoch. Ausstieg nach links.

02 Flüchtlingswelle 6B+ – Einstieg wie „Gegenstromprinzip“. Dann weiter an der Kante entlang und den Ausstieg von „Ideenfabrik“ raus.

03 Refugees Welcome 7A+ – Ohne Absatz, Füße nur in der überhängenden Wand. Tiefer Stehstart an Fingerloch und Schlitzhenkel. Vom Ausbruch in der Mitte diagonal zur linken Kante und „Gegenstromprinzip“ raus.

04 Zweistromland 7B – Ohne Absatz, Füße nur in der überhängenden Wand. Tiefer Stehstart an Fingerloch und Schlitzhenkel. Vom Ausbruch in der Mitte gerade hoch zur Kante und raus.

05 Mercedes 7A+ – Ohne Absatz, Füße nur in der überhängenden Wand. Tiefer Stehstart an Fingerloch und Schlitzhenkel. Vom Ausbruch in der Mitte nach rechts zum Stehstart von „Ideenfabrik“ und diese raus. Oben wartet der gleichnamige Stern an der Ausstiegsschlinge.

06 Ideenfabrik Sd 7A+ – Der Sitzstart zum Klassiker von Frank Jaenecke macht den Boulder einen Grad schwerer.

07 Ideenfabrik 7A – Toller Fingerriss in überhängender Wand. Namensgebend für den ganzen Sektor. 5 Meter, gutes Landing, aber zweites beziehungsweise drittes Pad schaden nicht.

08 DramaQueen 7B+? – Geschlossenes Projekt Gerono. Rechts der „Ideenfabrik“ entlang der großen Längs- und Querleisten. Schwerer Stehstart aus stabiler Position heraus. Nur Wand, ohne rechte Verschneidung, der linke Riss kann theoretisch mitbenutzt werden. Oben spielen sich dann beim Halten der Seitleisten und Hochholen der Füße die Dramen ab.

09 Die ganz große Bühne 7B – Obere Querung. Mit das Schwerste im Gewänd. Einstieg über „DramaQueen“-Stehstart, dann nach links in die „Ideenfabrik“, noch weiter nach links und „Refugees Welcome“ raus.

10 Clean Up Day 6A+ – Von Gerald ursprünglich als VIIIc-Route mit Keilen erstbegangen. Diese Verschneidung klettert sich aber auch gut als Boulder, nachdem noch einmal gründlich nachgeputzt worden ist. Sitzstart.

11 Routhaut Sd 6B – Sitzstart wie „Clean Up Day“, dann leicht rechts und die Wand gerade auf ihrer linken Seite hoch. Ausstieg nach links. Im Stehstart „angeblich“ 5C.

12 Im Bauch des Walfisches 6C – Die untere Querung durch den gesamten Sektor inklusive der Absätze unter der linken Wand sieht leicht aus, ist es aber nicht. Vom Sitzstart („Ilio sucht Kral“) anhaltend schwer mit Rausschmeißer am Ende.

13 Ilio sucht Kral 6A+ – Einer der besten, wenn nicht der beste Boulder an der Golzernmühle. Sitzend rechts starten und übers Band in der Mitte der Wand nach links traversieren. Dann senkrecht durchstarten. Außergewöhnlich fester Fels. Ganz oben nach links raus queren.

14 Vorsprung durch Technik 6C+ – Hier kann man die hohe Kunst des Dynamos üben! Für Kleine wohl eher 7A. Einer der schönsten Dynos Mitteldeutschlands. Sitzstart wie „Ilio sucht Kral“, an der Kante hoch und schräg links zum Henkelband. Ganz oben nach links raus queren.

15 Industrielle Revolution 6C – An der Kante bleiben. Merkwürdiger Sitzstart, dann dynamisch zu Sloper, den man irgendwie doppeln muss. Und oben raus wird’s dann auch nochmal recht grifflos. Ausstieg wie gehabt nach links.

16 Kamikaze 6A+ Der Name ist Programm: Saugeiler Boulder, aber hundsmiserables Absprunggelände. Gleicher Start wie “Industrielle Revolution”, dann rechts in die Wand zum großen Leistenband und mit Linkshook weit zu Sloperband, das bis zum Henkel rechts abzuhangeln ist. Mantle und Ausstieg nach oben.

(17 Kamikatze ?) – Den Direktstart in der Wand (ohne nach links auszubüchsen) mit Ausstieg zum Umlenker von Geralds „Venga!“ habe ich als Routenprojekt eingebohrt. Wird auch schön boulderig, wäre aber als solcher zu hoch und zu verblockt.

Ob sie es glauben oder nicht, holde Maid, das lesemüde Volk, das sich dem Diktat der „grauen Herren“ unterworfen hat, entzieht sich der Zauberkraft meiner Worte und schreit nach mehr Bild und weniger Text. Was soll man dazu sagen?

Es gibt nur eine Antwort darauf: Ihr seid google-isierte Pussies, „isch scheiß auf Eusch, ihr schwuhlen Engländer!“

(Nutzen wir die Du und Ich-Tube, so lange uns die EU noch lässt.)

Aber nun gut, ich will dem Wunsch dennoch Folge leisten und damit vor allem die unzivilisierten Blocvölker aus der Schweiz befrieden. Es heißt, dass sie ihre Stärke aus Wurstgulasch und Bier beziehen. Dies halte ich für ein bewusst gestreutes Gerücht, das ihren Bärenwillen, ihre Felssucht und spezifische Trainingsmethodiken zugunsten eines Heldenmythos verschleiern soll.

Aus dem von außen und innen erzwungenen Dokumentationszwecke heraus führte ich also meinen Freund Ole, den jungen Knappen mit der Edeltechnik und den Fingern aus Eisen zu den heiligen Hardmove-Blöcken der Golzernmühle. Sie kennen ihn bereits, Mylady! Auch dieses Mal verfehlte er kaum sein Ziel, noch zeigte er Angst in der Höhe. Und ohne sonstigen Tadel war und ist er sowieso. Hier können Sie ihn im Jaenecke’schen Klassiker „Ideenfabrik“ (7A) im gleichnamigen Sektor (ehemals Recycling) bewundern.

Auch die Prinzessin von der traurig-bärtigen Gestalt beherrscht die hohe Kunst des Dynamos noch. Doch zieht sie das Alleinsein dem Turnierplatze oft vor, so dass die folgende Aufnahme in ihrer verwackelten Schiefheit ein wenig an den Blair-Witch-Kult erinnert. Man muss einige Sekunden warten, bis die DramaQueen auftaucht und es krachen lässt. Verzeihen Sie, Liebste, so ein Sitzstart ist mit Model-gleichen Beinen, wie ich sie mein eigen nenne, Hexenwerk und benötigt seine Zeit.

Der Mensch ist ein Nomade und erst in jüngerer Vergangenheit sesshaft geworden. Vielleicht ist dies die Erklärung dafür, dass viele von uns, allen voran ich, nie zur Ruhe kommen und von Einem zum Nächsten streben – nach dem Spiel ist bekanntermaßen vor dem Spiel. Im Kleinen vollzogen mein Knappe und ich am Filmtage einen Sektorenwechsel zum „Eisenfinger“ (ehemals Receiver), wo Ole in der Crux vom Berg-Gerono’schen „Monoment“ (7A+) im richtigen Moment das Mono erwischte. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht trotz vorherigem Hinweise darauf und zum wiederholten Male zunächst auf „Fotografieren“ und dann erst auf „Filmen“ gedrückt hätte, so dass der Start des Boulders leider nicht ins digitale Zelluloid gebannt worden ist.

Im Übrigen hat auch „Queen-Dad“ Finger aus Eisen und bezwang die so betitelte 7A-Traverse im zweiten Go. Eine (ganz sicher) wissenschaftlich anerkannte Theorie besagt sogar, dass auf einer Skala von Ole bis Gerald, auf der ich mich deutlich rechts der Mitte befinde, die passive, Fifi-gleiche Haltekraft auf Grund zunehmender Steifheit zunimmt, ein Pluspunkt, der die unsportlichen Vorteile der Jugend, bezogen auf Athletik, Regenerationszeit, Dynamik und Maximalkraft, nicht aufzuwiegen vermag, selbst dann, wenn auch Erfahrung und Ausdauer mit in die Rechnung aufgenommen werden. Und dennoch: Nie, nie wieder, möchte ich „dumme“ 18 sein; oder doch, meine Liebe?

Ach, es gibt bestimmt schon 35 Boulder an der Golzernmühle, und das Potential ist noch lange nicht ausgereizt. „Das Leben ist kurz, die Kunst so lang“, wusste schon Hippokrates zu berichten – dieses Dilemma lässt sich leider auch auf andere Lebensbereiche übertragen und ist nur durch gekonnten Verzicht zu lösen. Lebe linear, nicht parallel, sagt die Ratio, aber was kann diese schon bewirken, wenn Emotionen eine viel höhere Schlagkraft besitzen? Bisher gibt es 3 Sektoren: „Eisenfinger“ (ehemals Receiver), „Kickstart“ (neu, links neben den Routen „Hart-“ und „Kaltstart“) und „Ideenfabrik“ (ehemals Recycling). Unseren schönen Boulderführer „Aufschwung Ost“ können Sie diesbezüglich, liebste, an Anmut – und das ist keine Koketterie, denn nie, niemals werde ich mich an Ihnen satt sehen können – nicht zu übertreffende A., in die Tonne klopfen. Ab Seite 388 finden sich dort nur 5 oder 6 der aufgezählten Probleme. Wer wahrhaftig interessiert ist, der findet alle in diesem Brief nicht genannten Informationen auf der hier verlinkten sowie den nachfolgenden Seiten des Outdoor-Forums der IG:

Outdoorforum der IG Klettern Halle/Löbejün e.V.

Bevor ich zur Prinzessin mutierte und mich fortan feingliedriger, aber auch hochgradig hysterischer und autistischer durchs Leben bewegte, war ich ebenfalls ein Knappe und bald ein Rumpelritter, der mitunter das Schlachtengetümmel nicht scheute. Damals zog es mich mehr in die Welt, heute mehr nach innen. Denn ein Visier ohne Filter füllt den Helm ununterbrochen, bis er zu bersten droht. Doch das Innen zehrt in der Zukunft, die zur Gegenwart wird, von den vergangenen Erfahrungen des Außen. Schlägt Ihnen das trübe Grau des nahenden Winters ähnlich schwer aufs Gemüt wie mir, Mylady? Können auch Sie die Müdigkeit kaum abschütteln und wollen Ihr großes seidenes Bett eigentlich gar nicht mehr verlassen? (So wie es Picasso ein halbes Jahr mit einer seiner Geliebten nicht getan haben soll.) Dann folgen sie dem Link und tauchen sie in meine Vergangenheit ein; atmen Sie die Sonne Kataloniens, träumen sie von einem endlosen Frühling und lassen Sie sich von Tinos Prachtkörper verzücken.

Siurana Superstars

Liebe A., es gibt keine Pointe im Leben, der Tod hat weder Witz, noch ist er besonders geistreich. Dieses tagtägliche „Spiel“ ist oft nur „Haschen nach dem Wind“. Bedenken Sie stets, ,„Die Uhr an Deiner Wand, sie ist gefüllt mit Sand“; „Zu Asche, zu Staub“, „doch noch nicht jetzt.“ Mylady, ich wünsche Ihnen aus vollstem Herzen und nicht ohne eine Spur Selbstmitleid ein starkes Segel, das Sie in den richtigen Hafen trägt, ein stabiles Steuerruder, das den Kurs zu halten vermag, und einen Anker, der sie, einmal angekommen, Wurzeln schlagen lässt.

Mein heutiger Brief an Sie weist ebenfalls keine Pointe oder Schlussanekdote auf, er ist nur die Summe essayistisch-fragmentärer, von hinten nach vorn geschriebener Aneinanderreihungen (so viel zu meiner verschrobenen, mich in vielem ausbremsenden Denkweise) und will – die Eitelkeit stirbt beim Narzissten ganz zuletzt – doch mehr sein als das Ergebnis bloßer Addition. Manchmal sind meine Ausführungen auch nur ein aus Langeweile geborenes und auf mangelhafte eigene Fantasie zurückzuführendes, munter-phrasenhaftes Zitatedreschen. Da muss von Goethe bis John Rambo (“Schmerz ist nur ein unangenehmes Gefühl”) jede große Frau der Weltgeschichte herhalten. Und am Ende stehen da wild verschachtelte Sinn-Satz-Konstruktionen ohne Willen zum selbstbeschränkenden Lektorat, die im Verständnis mitunter herausfordernd sind. Meine Leserinnen kann ich dann nur noch mit eingestreutem Sex und Krawall halten. Aber wozu hat man denn eine eigene Webseite, wenn man sich nicht einmal dort austoben darf?
Ach, Sie Armer“, raunen Sie mir lakonisch zu, meine Schöne, und ich bin Ihnen, wie stets, sogleich gefügig – ein Schelm, wer Böses … und so weiter. Ja, ich verspreche, mich in Hinblick auf Satzbau und -länge zu bessern.

Ein kleines Bonbon zum Dessert kann ich mir dennoch nicht verkneifen. So habe ich ein kurzes spätsommerliches Happy End für Sie und den videoverliebten Schweizer angefügt. Alle anderen Leserinnen genießen meine volle Verachtung, wenn Sie tatsächlich bis hierhin durchgehalten haben. Die im Film dargestellte „Meisterschule“ ist im Grad 7B angesiedelt und eine meiner letzten Highball-Erstbegehungen an der in letzter Zeit viel zu oft mit Begeisterung von mir genannten Mühle unweit des Muldeufers. Das schreckliche Geräusch entstammt einer Drohne, die ganz am Ende rechts oben zu bestaunen ist und deren Aufnahmen Ihnen, liebe A., und allen anderen boulderbegeisterten Damen zu einem späteren Zeitpunkt noch gezeigt werden werden.

Ende.

Mindestens die Hälfte meines Ritterinnen-Ehrgefühles gilt Ihnen, A.. Denken Sie an mich in der Schlacht.

Ihre DramaQueen

 

 

7 Gedanken zu „Pimp my Spot!“

    1. He, Johannes!

      Willkommen auf der Seite der mir nahe stehenden Kunstfigur DramaQueen. Ich freue mich über jeden Kommentar und versuche, zeitnah zu antworten. Wenn Fragen zu Bouldern bestehen oder was auch immer, nutzt die Kommentarfunktion. Es wäre super, wenn wir ins Gespräch kommen!
      Du musst übrigens als Erstes unbedingt “Ideenfabrik” machen; saugeiles Teil und die Beta haste ja jetzt. Kleiner Tipp: Als Langer tritt man oben etwas weiter rechts als Ole. Und: Der Boulder geht trotz der Höhe wegen des guten Absprunggeländes mit gut gelegten anderthalb Pads auch allein, siehe den jungen Jedi. 🙂

      Liebe Grüße und bis bald,
      B

  1. Kurti, Du Schweizer Barbar! 🙂

    Hier kann sich keiner in der Anonymität verstecken. Big Admin sieht alles 🙂 Herzlichen Dank für Deine Kommentare und Deinen Hinweis auf mehr bewegte Bilder. Warte mal kurz, ich frag die DramaQueen. Ähm … gleich… kleinen Augenblick… sie brabbelt irgendwas. Ah!! Jetzt habe ich es verstanden, also: Sie scheißt auf die Schweiz und ihre verkackten Berge und ließe sich prinzipiell nicht rein quatschen. Und dann noch irgendwas mit Exkrementen, die sie Euch auf die Griffe schmieren will. Und ihr sollt Euch nichts auf Eure vielen Blöcke einbilden, “ihr Schwuch…” Hmm, jetzt dreht sie völlig durch, und ich versteh kein Wort mehr, weil sie nur noch ausspuckt.
    Mannohman! Aber jetzt wird sie wieder etwas ruhiger. Sie meint: There sei nämlich no place like home, “du videogeile Sau!”
    Sorry, Kurt, das waren ihre Worte. Boah, hard stuff! Ich seh zu, dass ich sie besänftigt und zu regelmäßigen Vids überredet bekomme. Von mir auf jeden Fall die allerherzlichsten Grüße! Ich hab fast so etwas wie Sehnsucht nach Euren schönen Blöcken im Nachbarlande.

    B

  2. Es gibt übrigens ab sofort ein Häkchen, das – einmal gesetzt – den User darüber per Email informiert, wenn neue Kommentare zum selbst kommentierten Thema folgen.

    Ich fand das auf der IG-Seite immer ganz brauchbar.

    B

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