Go Go Golz – Fragmente aus der FDGB-Heimstatt

Sehr geehrte Damen und Herrinnen,

hiermit deklariere ich die Gründung des FDGB, des Freien Dichterischen GOLZ-Bundes. Die folgenden Gebote sind nicht menschgemacht. Sie kommen von ganz oben und waren plötzlich in meinem Kopf drin. Ein Wunder! Und ein Geheimnis! Es drohen auch schreckliche Sanktionierungen bei Nichtbefolgung! Umgekehrt werden Sie alle satt und glücklich sein! Mehr braucht ‘s weder in der Kirche noch in anderen totalitären Systemen zum Machterhalt; warum sollte es also nicht auch bei Ihnen, äh uns, funktionieren? Also, bitte auswendig lernen und je mit einem „Ich gelobe“ abschließen.


  1. Die Golzernmühle ist uns heilig. Du sollst keine anderen Hardmove-Klettergebiete haben neben ihr.
  2. Gelüste nicht nach Deines Nächsten Erfolg, Ruhm, Erstbegehung, Expressschlinge und allem anderen, was „allen“ gehört. Teilen ist der größte gemeinsame Nenner, Genosse Bergkamerad(in).
  3. Wer nicht auf den Wegen bleibt, wird von B. in den Schwitzkasten genommen oder gleich an der Schädelkultstätte (vor der „High Definition“-Wand) gehörnt und gekopfnusst. Siehe dazu das Bild im weiteren Verlauf.
  4. Wer Müll nicht mitnimmt oder gar selbst verursacht, wird beim nächsten Rotpunktversuch gnadenlos ausgebuht.
  5. Beklagen über gelegentlichen Brösel, die Qualität der Linien und Ähnliches ist ausdrücklich nicht erwünscht und kann zum sofortigen Ausschluss aus dem Bund führen.
  6. Wir scheißen uns nicht vor die eigene Haustür. Bitte die gängigen Outdoor-Toiletten-Benimmregeln beachten.
  7. Wir sind alle Freunde. Wie früher.
  8. Sollten wir einmal keine Freunde mehr sein, tritt Regel Nummer 7 in Kraft.
  9. Hinterfrage nie die Bedeutung des Wortes „GOLZ“!
    (Naheliegende Erklärungen wie „Geheime oligarchische Zone“ erscheinen völlig zutreffend, sind aber dennoch falsch.)
  10. Liebe und Klettern sind nicht die Endlösung, aber nah dran.

„Ja Freunde, ja!“ (berühmte Liedzeile vom Wecker, Constantin) Der derzeit schönste und wärmste Ort Mitteldeutschlands ist die Golzernmühle bei Grimma. Auf dem folgenden Bild kommt der für unsere Breiten recht ausgeprägte Überhang gut zur Geltung. Zu sehen ist die Neutour “Frohe Zukunft” (hart 9, 7c), wie der nach einer dort in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelten Kohlengrube benannte hallesche Stadtteil als auch sinnbildlich. Die Route steigt “Zurück in die Zukunft” (9/9-, 7c) ein, wobei die kompletten Schwierigkeiten selbiger zu klettern sind. Von einem guten Ruhepunkt aus geht es dann zurück in die von Rissen durchzogene Wand und es folgt genial komplexe Doppelkantenkletterei im oberen achten Grad.

Ab hier geht es in „Frohe Zukunft“ (9, 7c) an zwei offenen Rissen nochmal ordentlich zur Sache. (Foto: Fabian Metzlaff)

Der IG Kletteresche Hallesche Verschönerungsverein muss im Grunde nur noch die Projekte „Badesteg“, „Blumenrabatte“ sowie „Parkbank“ verwirklichen, um das nutzerfreundliche Sportkletterprofil an der Grenze zur Kletterhalle und zum gepflegten Freizeitparadies abzurunden. Voraussetzung ist freilich eine endgültige Legalisierung des Spots; Gerald ist diesbezüglich bereits in Verhandlungen getreten. Was gibt es sonst noch Neues vom derzeitigen Epizentrum der DramaQueenschen Klettersucht? Mein Projekt “Empire Golz Building” habe ich an Tiom abgegeben, der sich mit jugendlichem Enthusiasmus ins für ihn scheinbar Unmögliche, ins inspirierende Unbekannte stürzen möchte. Es ist gut und richtig, dass jemand wie er diese schöne Kante angeht. Im besten Fall wird es tatsächlich ein Katalysator, im schlechtesten quälende Verpflichtung für ihn. Ich habe in meinem Leben genügend Routen eingerichtet und wünsche ihm einen erfüllenden Erstbegehungsprozess.

Der junge, auf diesem Bild irgendwie aus der Zeit gefallene Jedi Tiom stellt sich der GOLZ-Kante und sich selbst.

STOP

Autistisches Singularinteresse mit völliger Fokussierung auf ein Thema ist bezüglich zweier Aspekte hoch interessant: Zum einen wird über die Spezialisierung im entsprechenden Teilgebiet eine weit überdurchschnittliche Könnerschaft erreicht, zum anderen führt die damit verbundene Ausblendung von allem anderen zu existentiellen Erkenntnissen, da das Hirn wenig abgelenkt ist und in der tiefen, detaillierten Auseinandersetzung mit nur einer Materie die großen Zusammenhänge besser erfassen kann als beim oberflächlichen Wandern von einem Ding zum nächsten.

(Frei nach Stefan Zweigs Gedanken über die Weltwahrnehmung von Schachmeistern in der über jeden Zweifel erhabenen, von großer Könnerschaft zeugenden „Schachnovelle“.)

NEXT


In der jüngeren Vergangenheit war ein absoluter Run auf die „Zeitmaschine“ (9-, 7b+) zu verzeichnen. Innerhalb kurzer Zeit ist es zu mindestens neun mir bekannten Rotpunktbegehungen gekommen. Das spricht für die Qualität der Route, einer modern-athletischen Umsetzung des alten Weges der Wand. Einer der Aspiranten, Power-Martin, hat die Tour nach intensivem Indoorbouldern am Vortage in gewohnt lebendiger und ausdauerbetonter Gangart im zweiten Go niedergerungen. Guru Gerald, seines Verschneidungsprojektes rechts von „Babylon“ nach Griffausbruch überdrüssig, hat dem starken Leipziger, der unlängst „Novum“ (10, 8b) im Aktienbruch geklettert hat, jenes Projekt in Folge übergeben. Dies nur als Randnotiz, denn zunächst versetzen wir uns noch einmal mit Martin in die „Zeitmaschine“, Film ab!

Power-Martin fightet durch die „Zeitmaschine“ (9-, 7b+) an der Golzernmühle bei Grimma. (Video: Gerald Krug)

Für mich hat die Arbeit an „Babylon“, der Route, nach der ich immer gesucht habe und die momentan noch über meinem herkömmlichen Leistungsniveau liegt, begonnen. Mittlerweile konnte ich alles in längeren Passagen klettern, was den Rotpunkt erfahrungsgemäß zur Fleißarbeit „reduziert“. Doch was ergibt die Klettermathematik, wenn auf einen 6C+ – ein 7B -Boulder und darauf eine ausdauernde 9- (7b+) folgt? 10- (8a+) bestimmt. Wir werden sehen.

Das Routenprojekt „Babylon“ ist Anmaßung, Quell steter Inspiration und mögliche Vollendung eines Kletterlebens. (Film: Fabian Metzlaff)

Während einem unserer zahlreichen Besuche haben meine Schwester HaHaHa-Girl und ich den Sektor „Hochgebirge“, einen Hidden Spot, den die Crowd schon finden wird, erschlossen. Mensch, was haben wir in der dünnen Luft dort oben (ausnahmsweise) miteinander gelacht! Ein Herz und eine Seele waren wir, und das auf schmalem Grat unter einer kleinen, fast 40 Grad überhängenden Wand.


SEKTOR HOCHGEBIRGE

Todeszone 6B+ – Gerade durch die stark überhängende Wand, ohne die Seiten und den Absatz zu treten. Füße also nur im Überhang; Ausstieg nach oben. Das Absprunggelände ist relativ gut, aber drei Meter weiter hinten lauert der Abgrund, weshalb ein Spotter beim unter Umständen dynamischen Abschlusszug mehr als ratsam ist.

HaHaHa-Girl ohne künstlichen Sauerstoff in der „Todeszone“ (6B+).

Camp Zwo 5C+ – Leicht überhängende stumpfe Doppelkante in front of the strong Überhang. Markierte Startgriffe, ohne Absatz, Ausstieg nach oben.

Das „Nichts“ bedroht nicht nur „Fantasien“ sondern offensichtlich auch die Randzonen der Golzernmühle: Rechter Fuß und untere Kauleiste von HaHaHa-Girl waren in Auflösung begriffen, als die alte Spaßbremse „Camp Zwo“ im Sektor Hochgebirge erstbegang. Im Übrigen ist dies der einzige Dach-Fünfer von Mittelschland.

Projekt Basecamp (offen) –Von oben kommend sieht man linkerhand des Weges ein langes, um die Ecke führendes Band, das talwärts beginnend von rechts nach links eine wunderbare Traverse ergeben wird. Doch vorher muss reichlich Putzarbeit investiert werden. Nach oben ist sicherlich auch noch mindestens ein sinnvoller Boulder möglich.


Was müssen Sie sonst noch wissen? Vielleicht dies hier: „Das nächste Heißgetränk ist gratis“ für die, denen es gelingt, den gleichnamigen neuen Boulder (5B) rechts des „Hartstart-Riss“-Projektes an einer markanten, nach oben flach auslaufenden Wand zu klettern. Die linke Wand ist logischerweise nicht dabei.

My sister, HaHaHa-Girl, is very very hot! But do not touch her, my friend! When she softmoves 5Bs, she does not understand fun and will be going to burn your eggs.

Und ja, ich gestehe: Mehrfach habe ich im Leben versucht, meine teilgeliebte Schwester um die Ecke zu bringen oder umzutauschen. Ich bin ein schrecklicher Mensch! Zwar waren die letzten gemeinsamen Stunden durchaus amüsant, aber alles hat seine Grenzen und im Grunde hätte sie auch in Hysterica Fulminalis pilziger Achselhöhle, dem am wenigsten freudvollen Ort dieses Planeten, bleiben können. Schließlich war es mir schon fast gelungen zu vergessen, dass ich je Verwandte hatte! Nun gut, jetzt klebt sie mir wieder an der Backe, und alle Versuche, sie im Wald auszusetzen, sind bisher gescheitert. Denn was macht diese kleine diebische Schlampe, wenn ich sie im Laub verbuddele und “verspreche”, am Abend wieder zu kommen? Sie stiehlt mir die Show und bouldert mal eben in Windeseile das härteste offene Projekt der Mühle aus: den Hartstart-Riss, also nur Riss und Wand, ohne die zur Route gehörige Seitenkante, wie es Rob Hill einst vorschlug. Ich ward nicht mehr; da rutschten mir glatt die Knospen aus dem Bra! Immer haut sie gleich so auf die Kacke, dass es spritzt! Vom Sitzstart weg zog sie flüssig nach oben, nur in der Mitte fehlte für einen Move noch die Kraft. Hmm, was hat sie, das ich nicht doppelt hab? Nen Pakt mit dem Teufel? Einen Protein-Schäks? Die Ruhe weg? Haare?

Kaum zu glauben! HaHaHa-Girl knallt die derben Züge vom „Hartstart-Riss“-Boulderprojekt (7C?) einfach so weg. (Foto: Fabian Metzlaff)

Und he, irgendwie läuft dieser Tage alles aus dem Ruder. Eigentlich bin ich doch, siehe die Alpine Trainingswand am Galgenberg, für die Kombis zuständig! Aber der Amerika- und Spanienrückkehrer Megalomatthi ist dieser Tage so fit und motiviert (und dabei so angenehm gelassen), dass er Stück für Stück schwerste Verbindungen realisiert. Aus „Zeitmaschine“ und „Frohe Zukunft“ wurde der „Landsturm Pazifist“ (9-/9, 7b+), und was sein geplantes Herausqueren aus der „Zurück in die Zukunft“ auf Höhe des vierten Hakens, also am Ende der 9/9- Crux, in die „Babylon“ (ab da 9-) ergeben wird, steht noch in den Sternen, aber – so viel ist jetzt schon klar – es wird eine 3-Sterne-Ausdauertour ohne jeglichen Ruhepunkt werden. Nebenbei hilft Megalomatthi dem jungen Jedi Tiom beim Einrichten seines Kanten-Projektes, putzt und bohrt in der Risslinie daneben oder kramt im Urwald der Golzernmühle Unbeschreibliches aus den ehemals vermüllten Laubkatakomben. („Katakombe“ ist im Übrigen eines meiner Lieblingswörter! Nur falls es jemanden interessiert.)

Die Kult- und Richtstätte des FDGB vor der „High Definition“-Wand. Wehe denen, die sich mit den Oligarchen anlegen! (Fund und Foto: Matthias Meilick)

NEWSTICKER – EILMELDUNG – NEWSTICKER – EILMELDUNG

Szene wird aufmerksam STOP weitere starke Kletterer sammeln sich mit Begeisterung an der Golzernmühle STOP DramaQueen hat scheinbar nicht gelogen STOP Jetzt festhalten STOP Tilli flasht binnen 2 ½ Stunden Unendliche Geschichte (8-, 6c+), Zeitmaschine (9-, 7b+) und Zurück in die Zukunft (9/9-, 7c) sowie Frohe Zukunft (9, 7c) fast STOP Geilomat STOP

Apokalyptischer Flashmob an der Mühle – Klettern als Ausdruck endzivilisatorischer, postmoderner Dekadenz, geerdetes Gegenmodell oder beides? Im Vordergrund der starke Til-MAN, im Hintergrund die Meilick-Brothers. (Foto: Fabian Metzlaff)

Es ist immer sinnvoll, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Nur so gewinnt das eigene Tun den Zusammenhang und die identitäre Festigkeit, welche uns die uns umgebenden Dinge und Menschen respektieren lassen. Deshalb habe ich mit Megalomatthis Hilfe sowie den Webseiten des Heimatvereins Bahren, des Kreismuseums Grimma und der Betriebsschule Golzern ein paar interessante Details ausgekramt: So wurde zum Beispiel das Gebäude oberhalb der heute von uns bekletterten Steinbruchwände bis vor zwei Jahren als Flüchtlingsunterkunft genutzt, über mehrere Jahrzehnte beherbergte es jedoch die Betriebsschule der nach dem Hochwasser 2013 eingestampften und nach Mutzschen verzogenen Papierfabrik. Von dieser nunmehr leer stehenden Baracke aus gelangt man außerdem zu einem sehenswerten Kriegsgefangenenfriedhof, der die Negativhistorie von harter Zwangsarbeit rund um das Gefangenenlager Golzern (1914 bis 1917), verrichtet durch Franzosen und Russen im 1. Weltkrieg, dokumentiert.

Der Landsturm war im Militärwesen seit dem 15. Jahrhundert „das letzte Aufgebot“ aller Wehrpflichtigen, die weder dem Landheer noch der Marine angehören, zur Abwehr eines feindlichen Einfalls.“ Dieser „nette“ Graffiteur, Rudolf Bewer im Rang eines Hauptmanns und im Gefangenlager stationiert, hat sich unterhalb von Tinos Route „Break and Enter“ (6-, 5b) sowie dem Geraldschen „Thomsenriss“ (8/+, 7a/+) postiert. Offenkundig hat das Anschreiben peergroupspezifischer Namen Tradition, worauf ich mich fürderhin berufen werde :-).
(Quelle: Wikipedia [Bitte spenden!] und Kreismuseum Grimma.)
Das Landschaftsbild, die Brückensituation und die Lage der Fabrik haben sich im Laufe des letzten Jahrhunderts deutlich gewandelt. (Quelle: Kreismuseum Grimma)
Das sieht nicht sehr gemütlich aus! Zwischen 1914 und 1917 verrichteten knapp 6000 Franzosen und Russen Zwangsarbeit in den Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben, Kohlegruben und Steinbrüchen im und um das Muldetal. Die durchschnittliche Arbeitszeit betrug 10 bis 12 Stunden; 32 Männer starben an Krankheit, Unfall oder Selbstmord – eine vergleichsweise geringe Zahl – und wurden in der Nähe der Krankenbaracken auf einem Gefangenenfriedhof (schräg oberhalb der Kletterwände) bestattet. (Quelle: Kreismuseum Grimma)

STOP

Chris Sharma, the legend, is back in business! Und er macht das, was kletternde Familienväter mit Tendenz zur 40 machen, wenn sie nicht mehr jeden Tag von früh bis spät am Fels verbringen können, aber trotzdem harte Züge plus Ausdauerbelastung für ihr Training brauchen: Sie fangen an, sich inspirierend schwere Traversen-Projekte zu suchen!

The legend is back und zeigt uns, was eine „richtige“ Traverse ist. “Super Blood Wolf Moon”, 9a.

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Für ein richtiges Buchprojekt reicht es dieser Tage bei mir nicht. Denn leider kann ich, ganz Abbild unserer hyperaktiven multitasken Zeit, nurmehr fragmentarisch arbeiten und schriebe doch gern so eine hübsche Novelle, die Frauenschlüpfer feucht werden und weise Köpfe anerkennend nicken ließe. Und mein im Geiste (und im Smartphone) geplantes Büchlein „Oversexed und andere längst überfällige Diagnosen – Ein Psychiater packt ein“ bediente zwar mein Talent für knackigen Wortwitz, wäre jedoch nicht das mir vorschwebende zeitlose Meisterwerk. Ich bin halt nur eine schrecklich durchschnittliche Narsissy und werde mich mit dem Rufen im Walde abfinden müssen.

Nichtsdestotrotz hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Diagnosen-Büchlein:


Vollmeise (auch plemplem, gaga oder total irre) „Hast Du ne Vollmeise, oder was?“ ist eine durchaus berechtigte Frage, wenn sich a) der gemeinte Mitmensch sehr auffällig verhält, in dem er zum Beispiel mittels einer Receiver-Fernbedienung versucht, sein Genital in der Hoffnung auf Größenwachstum mit Gammastrahlen zu beschießen, b) Freundin A von B los reißt, um Typ C auf dem Weihnachtsmarkt zu vermitteln, dass B ihn ziemlich heiß findet, dabei aber ungelenk Glühwein auf dessen Hose verschüttet, oder c) der Mansfelder Kollege in den Kofferraum seines Golfs 3 pinkelt, weil dieses neuartige Ad Blue („Hat eh keene Zukunft!“) ja auch nichts anderes als Pisse sei.

N.O.R.D. (Nicht-onanierbarer Restdruck) – Dieser durch den Liedermacher Götz Widmann populär gewordene „Fachausdruck“ umschreibt das nicht einmal durch wildestes Palmwedeln zu stillende Restverlangen der männlichen Kokosnuss. Besonders häufig ist dieser natürliche Entsaftungstrieb im Rahmen länger andauernder Ernteschwierigkeiten zu beobachten. Auch beim Hominiden soll dieses Phänomen im Zusammenhang mit frustranem → Samenstau vorkommen.


Aus den folgenden gesammelten Gedanken könnte man ebenfalls eine Geschichte formen. Doch, wie erwähnt, bin ich (und sind auch Sie, die Sie keinen längeren Text in diesem Medium aushalten,) einfach zu ungeduldig und werfe stattdessen die denkanstößigen Wortbrocken zerstückelt der hoffentlich nur anfänglich enttäuschten Leserin vor die Füße, auf das sie Gefallen darAn und vielleicht auch ein wenig Erkenntnis darIn finden werde.


FRAGMENTARISCHES

Du sollst Dir kein Bildnis machen.

Jegliches Konzept ist schon im Ansatz eine Entfernung von Gott.

Die Erwartungen gering halten, im Moment bleiben, verzeihen. Mit dem Bild, das wir uns von den Dingen machen, kommen verfälschende, das Eigentliche überdeckende innere Bilder; die Wahrnehmung des äußeren Lebens wird verzerrt, verstümmelt.

Eine Erzählung über die Nicht-Wahrnehmung von Zeit in der Gegenwart und die “Gnadenlosigkeit” und gleichermaßen „Gnade“ des Vergessens.


Es gibt außer dem, was wir Gott nennen und zu dem jeder mystisch denkende Mensch, und ohne Mystik geht es ab einem gewissen Punkt nicht mehr, eine andere Vorstellung hat, keine Gewissheiten. Diese auch von Jesus gelehrte Weisheit, die vor allem mit der Freiheit des Gewissens einhergeht, ist schwer aushaltbar.

Die entfesselte Haltlosigkeit versucht ihr Leben lang, an die Kandare genommen zu werden. Im Kern strebt sie aber danach, Ruhe zu finden und die überfordernde Freiheit, mit der sie geboren wurde, wieder abzugeben. Leider wird sie stets und ständig das Gegenteil behaupten.

Die Auferweckung des Lazarus. Das Wunder war unnötig hinzugedichtet. Wer Wunder und Geheimnisse benötigt, muss aus Mangel an echter Strahlkraft auf die Kunst der (Massen)Verführung zurückgreifen. (frei nach Dostojewski)

Zugunsten von Liebe und Güte gedanklich nicht zu sehr mit dem Tod beschäftigen. (frei nach Thomas Mann)

All diese Leichtigkeit, all dieses Prickeln an geregelte Stunden verschwenden? (Dies ist ein Zweigscher Gedanke [aus “Angst”], und ich bediene mich ungeniert daran, denn was bitteschön ist geistiges Eigentum? Nichts gehört irgendjemandem. Ich habe mich nur vor mir selbst und dem Allerhöchsten zu verantworten. Die menschliche Gerichtsbarkeit wirkt nur formal und auch nur dann, wenn sie tatsächlich wirkt.)

Nur keine Flucht vor sich selbst, also keine Briefe.

Das Gewissen rein halten; sonst macht das schwarze Flecken auf der Seele.

Die Nacht, diese unbetrügbare Eule, wühlt in den Exkrementen der Seele und fördert mittels der Träume Schuld und verschüttete Erinnerungen ans Licht, teils erschreckend verzerrt, teils sehnsuchtsvoll und zum Greifen nah. Wo nichts die Seele zu halten vermag, vermischen sich in den Morgenstunden Traum und Realität zu einer grotesk verzärtelten menschlichen Fratze.


Konfuzius sagt: Das Leben ist eigentlich ganz einfach, aber die Menschen neigen dazu, es kompliziert zu machen. Deshalb soll der Weisheit letzter Schluss für heute (und wie so oft) dergestalt sein:

Best of Elsterglanz 2018.

Schlafen Sie wohl und füttern Sie mich doch bitte mit Ideen, ob gewollt oder ungewollt.

Ihre „schwarze Poetin“

DramaQueen


PS: Hierbei gehen mir übrigens auch Herz und Hose auf. (Und ich dachte, ich komme heute ohne größere Anzüglichkeiten durch, na ja, egal.)

Lady Gaga, Bradley Cooper – Shallow (A Star Is Born)

2 Gedanken zu „Go Go Golz – Fragmente aus der FDGB-Heimstatt“

  1. Liebe B.,
    vielen Dank für den kurzweiligen Lesestoff.
    Leider bin ich mit dem 1.Gebot des FDGB (kommt mir irgendwie bekannt vor) noch nicht ganz im Reinen, ansonsten bin ich da voll bei Ihnen.
    Vielen Dank auch der meinigen Erwähnung und den neuerlichen Kosenamen (fühle mich beinahe zum Ritter geschlagen). Nebenbei war ich, einen Tag nach unserer letzten Tafelrunde, nochmal vor Ort und habe im ganz re. Riß (Prj. “Zeitzeuge”) weiter gearbeitet. Wenns soweit ist, laß ich hier verlauten.

    Es grüßt euer MM

  2. “Zeitzeuge” ist ein starker Name! Und da Du, mein gutster MM, ja in den oligarchischen Kreis 😉 gehörst, werde ich das mit Gebot Nr. 1 mal nicht so streng sehen. Wir bilden am Besten einen Arbeitskreis und diskutieren dann, ob zwei oder drei weitere Hardmove-Gebiete erlaubt sein sollen. Ich kann auch nochmal meinen Finger aus dem Fenster halten und nach oben telefonieren. Wird schon drin sein.

    Ich freu mich auf Neuland,
    B

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